Aktuelles
Vom Projekt PRIME (Protecting Irregular Migrants in Europe) wurde eine pointierte Analyse zur Situation von Arbeitsmigrant*innen in Österreich veröffentlicht.
Obwohl Österreich allen Arbeitnehmer*innen formal Arbeitnehmer*innensschutz unabhängig vom Migrationsstatus gewährt, sind Migrant*innen in der Landwirtschaft, 24-Stunden-Altenpflege, Gastgewerbe und Abfallwirtschaft systematisch Aufenthaltsinstabilität, eingeschränktem Zugang zum Sozialwesen und eingeschränkten Möglichkeiten ihre Rechte durchzusetzen, ausgesetzt.
Diese Prekarität ist das Ergebnis institutioneller Fehlausrichtung: Migrationsrecht, Arbeitsregulierung und Sozialwesen verfolgen konkurrierende Ziele, wobei die Kosten unverhältnismäßig stark auf Arbeitsmigrant*innen fallen.
Die rechtliche Koppelung von Aufenthalt und Beschäftigung wird als zentraler Mechanismus, der die Ausbeutung hervorbringt, identifiziert. Für viele Arbeiter*innen aus Drittstaaten bedeutet der Verlust des Arbeitsplatzes auch den Verlust des Aufenthaltsrechts, und hindert sie somit daran Verstöße zu melden oder ausbeuterische Arbeitsverhältnisse zu verlassen. Auch die Freizügigkeitsrechte der EU können für sich allein nicht vor Arbeitsausbeutung schützen.
Fünf Handlungsempfehlungen an österreichische Bundes- und Länderbehörden werden vorgeschlagen:
- Die Etablierung gesetzlicher Sicherheitsbarrieren zwischen Arbeitsvollzugs- und Einwanderungskontrolle,
- die Reformierung des Systems der landwirtschaftlichen Arbeitsinspektion,
- die Entkoppelung von Wohn- und Arbeitsplatz bei einzelnen Arbeitgeber*innen,
- ein Überdenken der Klassifizierung der 24-Stunden-Betreuung als selbstständiges Gewerbe,
- die Sicherung stabiler und nachhaltiger Finanzierung für Beratungsorganisationen.
King-Savic, Sandra; Kremmel, Katrin; Sperneac-Wolfer, Paul: Regulated precarity: How Austria’s Institutional Design Produces Migrant Worker Insecurity, EUI, RSC, Policy Brief, 2026/11, Migration Policy Centre, PRIME





